LAICATUS PRAEDICANS


Er hat dieselbe Haarfarbe wie ich
December 13, 2009, 8:06 pm
Filed under: Beiträge in Deutsch

Auf einer langen Zugfahrt hatte ich einen Platz an einem Tisch mit drei anderen Personen erhalten: einem älteren Mann, einer jungen Mutter und ihrem neun Jahre alten Sohn. Ich bin mittleren Alters; so bildeten wir vier verschiedene Generationen. Der kleine Junge war, mit Hilfe seiner Mutter, mit seinen Hausaufgaben beschäftigt; ich war bei der Lektüre eines Buches von Thomas Merton (mit einem Bild von ihm in seiner Mönchskutte auf dem Umschlag) und benutzte ein Lesezeichen mit dem Foto eines kleinen Hundes.

Nach einigen Stunden nahm ich wahr, dass der Herr zu meiner Rechten aufmerksam etwas in den Blick nahm – vielleicht mein Dominikanisches Kreuz? Ich lächelte, und er sagte rasch: “Entschuldigen Sie, ich bewunderte Ihr Lesezeichen – ich hatte genauso einen kleinen Hund wie diesen.” Das setzte ein langes Gespräch in Gang, an dem der Junge und seine Mutter sich beteiligten.

Wir unterhielten uns (selbstverständlich) über Hunde; der Mann zeigte uns ein Foto seines eigenen Hundes und eine ganze Serie von Bildern seines kleinen Enkels, den wir alle gebührend bewunderten. Dann fragte er mich nach meinem Kreuz und erzählte, dass er in seiner Pfarrei auf vielfältige Weise mithilft, dass er in Lourdes gewesen war und in der Grabeskirche von Pater Pio. Als ich erklärte, was es bedeutet, Laien-Dominikanerin zu sein, zeigte die Mutter großes Interesse und fragte danach, wie wir leben: – in Gemeinschaften? – in unseren Familien? Der kleine Junge, Michael, schien auch fasziniert zu sein, und alle drei hörten eifrig zu.
Ich war gerührt über die Zuneigung des alten Mannes zu seinem Hund; darum bot ich ihm mein Lesezeichen als Geschenk an. Er war hocherfreut und gab mir als Dank einen Gebetszettel mit der Madonna von Lourdes. Dann dachte ich, es wäre schön, etwas Michael zu schenken. Ich sagte: “Du hast bald Namenstag, und ich will an dem Tag besonders an Dich denken; und ich möchte Dir etwas geben” – ich war mir nicht sicher, wie er reagieren würde, aber ich bot ihm einen Gebetszettel mit dem Bild des hl. Dominikus an. Zu meiner großen Freude war er außer sich” Schau, Mama”, sagte er ganz aufgeregt, “ich hatte bisher noch kein Bild vom hl. Dominikus, und er hat genau dieselbe Haarfarbe wie ich!”

Alle drei meiner neuen Freunde mussten an der nächsten Station aussteigen. Mit dem Versprechen, füreinander zu beten, verabschiedeten wir uns mit großer Herzlichkeit.

Übersetzt aus dem Englischen (Originaltext von Katharine, Schottland, Provinz von  England)

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