Ich lebe in einer deutschen Großstadt und wohne in unmittelbarer Nachbarschaft eines Seniorenheims. Seit meiner Pensionierung als Museums-Pädagogin habe ich Gelegenheit, den dort lebenden älteren Menschen etwas Farbe in den oft eintönigen grauen Alltag zu bringen. Einfache Gegenstände aus der Natur, wie etwa ein Blumengebinde, ein besonders gemusterter und gefärbter Stein oder ein Laib Brot, sind Anlass, auf einen Psalmvers oder eine andere Bibelstelle hinzuweisen und Gott für den Reichtum und die Vielfalt seiner Schöpfung zu danken. Ich ermutige die älteren Menschen, von den mitgebrachten Mal-Utensilien Gebrauch zu machen und ihre Sinneseindrücke auf Zeichenpapier umzusetzen.

Manchmal helfen mir die Mitglieder meiner Laiengemeinschaft, die oft gehbehinderten Senioren in eines der Museen meiner Umgebung mitzunehmen. In der Betrachtung von religiösen Kunstwerken wie z.B. die unseres mittelalterlichen dominikanischen Predigerbruders Fra Angelico – im Aufenthaltsraum des Seniorenheims an die Wand projiziert – , dürfen wir gemeinsam etwas von der Fülle und dem Farbenreichtum Gottes selbst erahnen. Ich bin dankbar, auf diese Weise meinen Glauben mit den mir von Gott geschenkten Talenten älteren Menschen in der Endphase ihres irdischen Lebens mitteilen zu können.  

Friedlinde (Deutschland, Provinz Teutonia)

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